Geschichtlicher Rundgang Auingen

Auf den Spuren der Geschichte im Herzen der Rauhen Alb

Insgesamt 16 Stationen beleuchten die Ortsgeschichte von Auingen. Geprägt von Kriegen und der Anlage des Truppenübungsplatz veränderte sich die Ortsstruktur stetig. Schließlich wurde das Dorf im Jahre 1971 zum Stadtteil von Münsingen.

Geschichtlicher Rundgang Auingen

Auingen wurde 770 erstmals erwähnt im Urkundenbuch des Klosters Lorsch. Die erste Ansiedlung des Straßendorfs dürfte an der reich schüttenden Quelle am Kirchenrain verortet sein, aus der im Lauf der Jahrhunderte auch mehrere Brunnen gespeist wurden.

Zahlreiche bronzezeitliche Gräberfunde (2000 - 800 v. Chr.), ein keltisches Grab aus der La-Tène-Zeit (3./2. Jhd. v. Chr.) und ein alemannisches Gräberfeld (3./4. Jhd.) weisen auf  eine sehr frühe Besiedlung hin.

Um 1265 kam Auingen zusammen mit Münsingen an Württemberg. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf bis auf drei Häuser und noch einmal 1704 während des spanischen Erbfolgekriegs bis auf vier Häuser und die Kirche niedergebrannt. Mit der Anlage des Truppenübungsplatzes verlor Auingen fast ein Drittel seiner Gemarkung. Die bäuerliche Struktur ging weitgehend verloren, es entstanden aber neue, bisher in der Gemeinde nicht  bekannte Berufsbilder und Arbeitsmöglichkeiten. Die Einwohnerzahl stieg beträchtlich.

Handwerksbetriebe und Handelsgeschäfte, neue Gastwirtschaften und andere kleinere Gewerbebetriebe wurden gegründet. Durch die Verwaltungsreform in Baden-Württemberg verlor Auingen seine Eigenständigkeit. Die Gemeindereform begann in Münsingen mit der Neubildung der Stadt Münsingen  zum 1. Juli 1971, damals bestehend aus den Stadtteilen Münsingen, Auingen, Böttingen und Dottingen. Bis zum 1. Januar 1975 kamen noch neun weitere Dörfer als Stadtteile zur Gesamtstadt Münsingen hinzu. Zum 1. Januar 2011 wurden auch die Gebiete „Altes Lager“ und „Königstraße“ des ehemaligen Gutsbezirks Münsingen in die Gemarkung der Stadt Münsingen eingegliedert. Seit 1971 ist Auingen ein Stadtteil von Münsingen und hat 2.300 Einwohner (Stand 2019).

Die Stationen des Auinger Rundgangs

1. Rathaus von 1777 Hauptstraße 191

Nr.1

An der Stelle eines Schulhauses mit Scheuer wurde 1777 das Rat- und Schulhaus gebaut mit der Ratsstube, einem Schullokal und der Lehrerwohnung mit Scheuer und Stall des Lehrers. Im Laufe der Zeit erfuhr das Haus vielerlei Veränderungen, und immer wieder wurde in den Inspektionsberichten des Kirchenkonvents auf unzumutbare Verhältnisse hingewiesen.

1861 wurde das Haus gründlich renoviert. Die Scheuer verschwand, dafür wurde ein Schullokal eingerichtet und die Lehrerwohnung erweitert. Nach dem Bau des „Neuen Schulhauses“ 1911 wurde das große Schullokal im Erdgeschoss zum Bürgersaal.

Das ehemalige Rat- und Schulhaus wurde 2016 von Investor Stumm in ein reines Wohnhaus mit Einzimmer-Appartements und Gemeinschaftsräumen umgebaut, um mitten im Ort ein barrierefreies und inklusives Wohnen zu ermöglichen.

2. Ehemalige Molke Schulstraße 4                                       

In ganz Deutschland entstanden am Ende des 19. Jahrhunderts genossenschaftliche Molkereien, in denen die Milch der Mitglieder verarbeitet wurde. Sie waren erkennbar an der typischen Rampe mit Treppenaufgang. Morgens und abends brachten die Bauern mit ihren zweirädrigen „Molkewägela“  in Kannen die frisch gemolkene Milch, wo sie gekühlt und mit dem „Separator“, der Zentrifuge, entrahmt und zu Butter verarbeitet wurde. So wurde die Molke nicht zuletzt auch zu einem wichtigen Kommunikationstreffpunkt der Auinger Bevölkerung, denn auch die nichtbäuerliche Bevölkerung konnte in der Molke Milch in kleinen Mengen und Butter kaufen. In der Ortschronik von 1938 lesen wir: „Der Auinger Butter wurde lobend nachgesagt, dass sie sich ungemein lange gut und brauchbar erhalte.“

Am 8. September 1889 eröffnete die Molkereigenossenschaft ihre Milchsammelstelle. Noch in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es in Auingen etwa 100 Milchlieferanten. Weil im Lauf der Zeit aber immer weniger kleinbäuerliche Betriebe Milch ablieferten, wurde die Molke unrentabel und 1973 aufgegeben. 1975 wurde die Molke zum Domizil des CVJM (Christlicher Verein junger Menschen). Nachdem sich der CVJM auflöste, führten ehemalige Mitglieder das Vereinsleben mit dem „Treffpunkt Familie“ fort und teilten sich das Gebäude mit dem Motor-Sport-Club „MC Auingen“, der inzwischen alleiniger Nutzer ist.

3. Schulhaus von 1911 Schulstraße 7

Nr.3

                                 

Bei seiner Einweihung am 21. September 1911 war das Schulhaus eines der modernsten Schulhäuser im Königreich Württemberg. Drei Klassenzimmer für jeweils 70 Schüler, großzügige Lehrerwohnungen, eine Unterlehrerkammer und ein Gemeindebad im Untergeschoss mit Wannen in Kabinen und Duschen für die Schüler galten am Anfang des letzten Jahrhunderts besonders schulfreundlich, großzügig und weitblickend.

Der Neubau war nötig geworden, nachdem die Einwohnerzahl  - und damit natürlich auch die Kinderzahl von Auingen - durch die Einrichtung des Truppenübungsplatzes stark angewachsen war.

Das Gebäude wurde nach Plänen des Stuttgarter Baurats Prof. August Knoblauch (1848-1925) erbaut. Bisher waren die Kinder im alten Schul- und Rathaus und auch in einem Klassenzimmer im Backhaus unterrichtet worden.

Mit der elektrischen Beleuchtung zweier Klassenzimmer und den Lehrerwohnungen hielt das Zeitalter der Elektrizität seinen Einzug in Auingen.

Nach einem Brand am 1. April 1981, der das gesamte Dachgeschoss zerstörte, wurde das Gebäude grundlegend saniert.

4. Schulensemble der Grundschule am Hardt Schulstraße 7

Mit dem Bau seiner Schulhäuser wurde Auingen schon immer den Erfordernissen einer zeitgemäßen Pädagogik gerecht. Bemerkenswert ist, dass der Baustil den Geschmack und den Geist der jeweiligen Zeit spiegelt. 1911: Südhaus - (siehe Tafel 3), 1955: Westhaus - Neue Lehrpläne erforderten  entsprechende Baumaßnahmen: eines der vier Klassenzimmer wurde als Physik- und Chemieraum gebaut. Seit Oktober 2014 wird das Gebäude als Kindergarten genutzt. 1965: Osthaus - Der in Auingen gebürtige Architekt Rudolf Brändle plante den Bau im damals modischen Flachdach-Klinker-Stil. Nur ein Jahr zuvor wurde im selben Baustil die Turn- und Festhalle erstellt. 1997: Nordhaus - die Schulgemeinde mit Schülern aus Auingen, Böttingen und Magolsheim war nach der Wende durch den Zuzug vieler Aussiedler-Kinder stark angewachsen. Der Bau besteht aus wabenförmigen Einheiten, an die bei Bedarf weitere "Waben" angegliedert werden könnten. Man rechnete mit dem Anwachsen der Schülerzahl, vor allem aus dem Münsinger Neubaugebiet im Kirchtal. Durch die innerstädtischen schulischen Veränderungen – Bau der Astrid-Lindgren-Grundschule, Umzug der Hauptschüler in die Schillerschule Münsingen – sank die Schülerzahl in Auingen beträchtlich.

5. Pfarrhaus und Gemeindehaus Egelsteinstraße 13                    

Mit dem Einsetzen der schriftlichen Überlieferung 1360/70 ist Auingen als Filial der Pfarrei Münsingen bezeugt. Die Kirchenbücher beginnen in der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg, was in den Albgemeinden eher selten ist, nämlich das Taufbuch von 1581, das Ehebuch von 1586 und das Totenbuch von 1591.

Die im Dorf wirkenden Pfarrverweser wohnten in sehr ungünstigen Wohnverhältnissen in einem Privathaus. Nachdem die Kirchengemeinde einen Neubau der Pankratiuskirche anstrebte, wurde deutlich, dass es langer und intensiver Vorbereitung erforderte, die nur von einem ständigen Stelleninhaber geleistet werden konnte. Für eine ständige Pfarrstelle war aber ein Pfarrhaus wesentliche Voraussetzung.

Knapp zwei Jahre nach der Einweihung der Kirche wurde 1959 in der Egelsteinstraße nicht nur ein neues Pfarrhaus, sondern dazu ein „Gemeinde  -  und Jugendhaus“ errichtet, das sich im Laufe der Zeit aber als zu klein erwies. Im Jahr 1987 wurde es ersetzt durch das Gemeindezentrum mit Saal, Gruppenräumen, großzügiger  Küche und dem Pfarrsekretariat.

6. Kindergarten in der Wettgasse Egelsteinstraße 10                  

Der Kindergarten in der Wettgasse (heute Egelsteinstraße) wurde von Architekt und Ortsgruppenleiter der NSDAP Blankenhorn, in dem für die Zeit typischen Landhausstil, geplant und 1938 gebaut. Neben dem NSV-Kindergarten (NSV-Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) sollten dort auch die Feuerwehr, die Krankenschwester und die Wohnung der Kindergärtnerin untergebracht werden.

Beim Aushub der Baugrube stieß man im Mai 1938 auf ein Gräberfeld aus der alemannischen Zeit mit Skeletten, einer Urne und zahlreichen Beigaben.

Ab 1949 wurde der Kindergarten von der ev. Kirchengemeinde betrieben. Bis zum Bau des Pfarrhauses wohnte die Pfarrersfamilie in der Wohnung.

Da die Kinderzahl in Auingen stieg, wurde 1965 in der Schulstraße auf dem Grundstück des ehemaligen Farrenstalls ein Neubau errichtet. Nach dem Verkauf des Rathauses sind in dem Gebäude heute die Ortsverwaltung und, nach der Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr, der Jugendclub untergebracht.

7. Ehemalige Zehntscheuer Ecke Albstraße/Egelsteinstraße 

Nr.7

                                  

Auf dem vor uns liegenden Parkplatz stand einst die Zehntscheuer, die in der Münsinger Oberamtsbeschreibung von 1912 beschrieben ist, als „stattlich, altertümlich und malerisch, hoch, mit steilem Dach, Dachüberhang und „Brücke“ darunter (ausladendem Gestell, das als Reisiglege dient)“.

Sie wurde 1800 anstelle der alten durch die Kellerei Münsingen erbaut. Die Kellerei war für die Eintreibung der Geld- und Naturalabgaben verantwortlich.

Das stattlich Gebäude gehörte dem Haus Württemberg, bis es, nach der Ablösung des Zehnten 1845 in Privathand überging. Grabenbauer Georg Ruopp kaufte die Zehntscheuer und baute Wohnräume und Stallungen ein.

Obwohl das Gebäude lange Zeit unter Denkmalschutz stand, wurde es am  23. Oktober 1974 abgerissen.

8. Ehemalige Weberhäuser Hauptstraße 180                                                                              

Im Jahr 1787 brannte dieses Gebäudeensemble nieder. Die Häuser wurden im Frühjahr darauf wieder aufgebaut und sind in ihrer Anlage typisch für die damalige Bauweise.

Neben dem Hausgang war, halbstockig eingesenkt im Erdgeschoss die sog. Dunke, der Webkeller mit gestampftem Lehmboden, der die Erdfeuchtigkeit durchließ. Dies  war für die Verarbeitung von Lein unerlässlich, für die Weber aber in der feuchtkalten Atmosphäre gesundheitlich höchst problematisch.

Auingen galt als einer der Hauptweberorte des Oberamts Münsingen. Neben Getreide wurden  Flachs und Hanf angebaut.

Der auf dem Acker ausgeraufte Flachs wurde auf der „Brechdarre“ am westlichen Ortsausgang gegen Münsingen geröstet, ehe er in den Häusern zu Garn verarbeitet und in den Webkellern gewoben wurde.

9. Brunnenstube am Kirchenrain Mehrstetter Straße gegenüber Hausnummer 2                                         

Über der wasserundurchlässigen Schicht von vulkanischem Tuff entspringt am Fuß des Kirchenrains eine ergiebe Quelle, die schon immer Menschen anzog und der Grund dafür ist, dass sich hier eine alemannische Gruppe ansiedelte und so das Dorf Auingen gründete.

Die Quelle wurde in einer bemerkenswert soliden und schönen Brunnenstube  aus Tuffstein gefasst. Sie hat einen runden Grundriss, das Wasser steht 4 bis 5 Meter tief und ist etwa 2 Meter überwölbt.  Sie speiste mehrere Brunnen im Dorf, an denen, bis vor der Einrichtung der Albwasserversorgung, das Trinkwasser geholt wurde.

Um die Bewohner des Unterdorfes mit frischen Wasser zu versorgen und den Holzbrunnen über der Brunnenstube zu modernisieren, plante der berühmte „Staats-Techniker für das öffentliche Wasserversorgungswesen“ Oberbaurath Karl v. Ehmann  im November 1873 einen neuen eisernen Pumpbrunnen über der Brunnenstube und einen „selbstschließenden Brunnen“ vor dem damaligen Gasthaus „Kreuz“ (heute Hauptstraße 161) sowie die zugehörige Röhrenleitung.

10. Ortsmitte Mehrstetter Straße gegenüber Hausnummer 2                                                                

Die Katasterkarte von 1841 zeigt die alte Ortsmitte von Auingen, um welche die öffentlichen Gebäude versammelt sind: Rat- und Schulhaus, Kirche, Waschhaus und Zehntscheuer. Dazu kommen noch die Wirtschaften: das ‚Rössle‘ (Haus Rehm), der ‚Hirsch‘, daneben der Gassenwirt und der 1896 erbaute ‚Ochsen‘. Hier liefen die Straßen des Dorfes zusammen. Die Frauen holten täglich das Wasser am Brunnen, das Vieh wurde in der großen Hüle getränkt, die Naturalabgaben zur Zehntscheuer gebracht. Die große Hüle prägte die Dorfmitte.

Mit der Einrichtung des Truppenübungsplatzes wurde Auingen durch den Militärbetrieb vom Münsinger Bahnhof ins Alte Lager und den zunehmenden Verkehr in Richtung Blaubeuren -Laichingen in zwei Hälften ohne eigentlichen Mittelpunkt zerschnitten.

Die Ortsmitte war geprägt durch das im Jahr 1923 erstellte Denkmal für die Gefallenen des I. Weltkriegs, das 1959 durch Gedenktafeln für die Kriegstoten des II. Weltkriegs erweitert wurde.

Im Zuge des Stadtsanierungsprogramms und des Baus  der Ortsumgehung wurde der Ortskern von Auingen neu gestaltet.

11. Pankratiuskirche   

Nr.11

                                                 

Den Dorfplatz beherrschend liegt die Pankratiuskirche auf der Anhöhe über der reich schüttenden Quelle in der Ortsmitte. Schon 1360 wird hier eine Kapelle zum Hl. Pankratius erwähnt. Romanische Bauteile der alten Kirche wiesen auf das hohe Alter der Kapelle hin, doch ist ihr Patrozinium Pankratius erst 1726 belegt.

Die Kapelle  wurde um 1600 herum abgerissen. Für den Bau einer neuen Kirche wurden Mauerteile davon verwendet, die zusammen mit der Basis des Turms 400 Jahre lang die ältesten Bauteile des Dorfes waren.  Weil diese Kirche dann im Lauf der Jahrhunderte baufällig geworden war, wurde sie nach mehreren Anläufen im Jahr 1956, bis auf den Turm, abgerissen und 1957 Schiff und Sakristei neu gebaut. Aus der alten Kirche wurde nur die Orgel von 1810 übernommen.

2001 wurde die Kirche innen renoviert und farblich neu gestaltet.

Der Turm, der als einziger Teil der alten Kirche bis heute an der Nordseite neben dem Chor steht, erhielt im 18. Jahrhundert seinen achteckigen Fachwerkaufsatz mit Zeltdach.

Bemerkenswert sind die in der Kugel der Turmzier verwahrten Dokumente zur Geschichte der Kirche und des Dorfes.

12. Haus Deuschle Kirchgasse 11     

Nr.12(verkleinert)

                      

Dass der Truppenübungsplatz im Münsinger Hardt eingerichtet wurde, ist mit ziemlicher Sicherheit Clemens von Deuschle zu verdanken, der am 15. März 1829  in diesem Haus, Kirchgasse 11 geboren wurde.

Sein Vater, der Schäfer und Bauer war, ermöglichte Clemens den Besuch der Lateinschule in Münsingen. Er wollte Notar werden. 1851 wurde er zum Militärdienst ausgehoben. Damit begann seine steile Karriere in der königlich-württembergischen Militärverwaltung. Schnell stieg er innerhalb seiner Dienstzeit zum Oberkriegsrat und Militärintendanten auf und wurde mit zahlreichen Orden und Ehrenzeichen ausgezeichnet. Seine vielen Verdienste erkannte König Wilhelm durch die Verleihung des „Von“-Titels an.

Er wurde zum Kriegsminister vorgeschlagen, nur der Umstand, dass er nicht dem erblichen Adel entstammte, verhinderte die Ernennung.

Für seine Heimatgemeinde Auingen war wohl das wichtigste Ereignis seiner Dienstzeit der Ankauf des Truppenübungsplatzes in den Neunziger-Jahren des 19. Jahrhunderts.

Clemens von Deuschle gehörte wohl zu den wenigen, die schon damals die große Bedeutung eines solchen Übungsplatzes für eine Gemeinde in ihrem vollen Umfang erkannten.

13. Wasch- und Backhaus Hauptstraße 197                     

Schon sehr früh hatten die Auinger ein „Gemeines Waschhaus bei der Hüle“, das 1835 abgebrochen wurde, weil 1834 das Gemeinde- Back- und Waschhaus gebaut worden war.

Der große Keller war sehr wasserreich daher bezog die Gemeinde durch eine Pumpe aus ihm das Wasser für das Waschhaus mit zwei Kesseln. Später wurde die Waschküche aufgegeben und dafür der Ortsarrest und das Feuerwehrmagazin eingerichtet. Im ersten Stock befand sich das zweite Schullokal, das später, nach Erstellung eines neuen Schulhauses, zu einer Wohnung umgewandelt wurde. Im 3. Reich fand dort auch das Jungvolkheim seinen Platz.

Das „Wochenblatt für Land- und Hauswirtschaft“ berichtete 1934 zum Backhaus in Auingen:" Das zweigeschossige Gebäude enthält im unteren Stock einen Raum für eine Feuerspritze, sodann das Gemeindewaschhaus mit 2 Kesseln und daneben das Gemeindebackhaus mit 2 Öfen, auf welchen ein Dörrofen so aufgebaut ist, dass er sich durch dieselben, und ohne besonderen Holzaufwand, heizen lässt. Im zweiten Stock sind 3 Zimmer, die man im Fall der Not, bei Epidemien als Krankenzimmer für Dienstboten, oder überhaupt als Armenhaus benützen kann und weiter ist noch in diesem Stock ein Bürgergefängnis  eingerichtet.“

14. Wasserversorgung:  Hülen - Brunnen – Wasserleitung Ecke Hauptstraße/Seestraße

Nr.14.1

Die teilweise mit Böttinger Marmor eingefriedete Grünanlage lässt noch deutlich die Größe der ehemaligen Oberen Hüle erkennen. Sie war eine der drei Hülen, mit der Großen Hüle in der Dorfmitte und der Wette vor der Zehntscheuer. Sie alle wurden im Lauf der Zeit verfüllt, die vor uns liegende erst im Jahr 1955.

Auingen ist, anders als andere Dörfer auf der Schwäbischen Alb, außergewöhnlich wasserreich. Für die Viehtränke, die Wäsche, die Bewässerung der Hackpflanzen; aber auch als Löschwasserreservoir wurde in den Hülen das Oberflächen- und das bisweilen zutage tretende Grundwasser gesammelt. 

Nicht selten trat aber in trockenen Sommern und kalten, schneearmen Wintern Wassermangel auf. Das Brunnenwasser wurde dann rationiert. 1887 musste man für einen Eimer Wasser aus der Quelle an der Seeburger Steige 10 Pfennig bezahlen.

Das trockene Jahr 1895 machte auch die letzten Gegner eines Wasserleitungsbaus willfährig.

Baurat Ehmann kaufte im Auftrag der Wasserversorgungsgruppe Münsingen-Auingen in Buttenhausen eine Quelle für 1300 M. Im gleichen Jahr wurde wegen eines Pumpwerks im Seeburger Tal verhandelt. Es wurde eine starke Wasserkraft an der Erms unterhalb Seeburgs gekauft, das Nutzwasser liefert bis heute die 7-Brunnen-Quelle, der Schnitzerbrunnen im Fischburgtal und die Ermsquelle.

15. Vorlager Ecke Hauptstraße/Königstraße

Südlich des Alten Lagers (heute Albgut) verläuft in Auingen die Hauptstraße 267 bis 318. Mit dem Bau des Schießplatzes und der Truppenunterkunft Ende des 19. Jahrhunderts, siedeln sich in den Folgejahren im sogenannten Vorlager zahlreiche Wirtschaften, Betriebe, Fabriken und ein Hotel an. Im Einzelnen sind das die Restauration zum Truppenübungsplatz (Hauptstraße 267), die Limonadenfabrik Rauscher (284), die Großbäckerei Anton Hellstern (298), die Chemische Dampfwaschanstalt (297), das Hardt-Hotel (305), die Hardt-Mühle (304), das Restaurant Kaiserhof (306), die Großschlächterei Hudelmaier (308), die Wirtschaft Grüner Kranz (312), das Photographische Atelier Gebrüder Schmid (314), das Kaufhaus mit Friseursalon (316) und das Restaurant Schützen (318). Gleich nebenan in der Rametshalde 1 steht das Café Waldeck, wenige Meter weiter in der Rametshalde 8 das Soldatenheim. In Hahnensteig auf Markung Böttingen, südöstlich des Alten Lagers, eröffnen das Restaurant mit Pension Plesdonat (12), das Truppen-Tonfilm-Theater (11) sowie die Restauration zum Lichtenstein (8). In der Königstraße 10 thront das Kommandantenhaus. Von den einst sieben Gaststätten und Cafés hat heute nur noch der „Schützen“ geöffnet. Die Großschlächterei und das Soldatenheim wurden abgerissen.  

16. Altes Lager Biospährenzentrum

Nr.16.1

Am 24. Oktober 1895 fällt der erste Schuss auf dem Schießplatz des XIII. Königlich Württembergi­schen Armeekorps im Münsinger Hardt. Zeitgleich beginnen die Planungen für die Barackensiedlung, die Mitte 1897 bezugsfertig ist. Bis zum Ersten Weltkrieg wird das rund 72 Hektar große Alte Lager kontinuierlich mit mehr als 200 Gebäuden ausgebaut. Während des Zweiten Weltkrieges sind in der Soldatensiedlung zeitweise in einer Woche bis zu 20.000 Soldaten und Kriegsgefangene stationiert. Mitte 1945 übernimmt die französische Besatzungsmacht nicht nur den Schießplatz, sondern auch das Alte Lager. Am 8. Oktober 1957, gut zwölf Jahre nach Kriegsende, zieht die Bundeswehr als Mitnutzer in das Militärcamp ein, die zusammen mit den französischen Hausherren den Truppenübungsplatz verwaltet. Die deutsche Wiedervereinigung bringt entscheidende Ver­än­derungen. In ganz Deutschland bauen die ehemaligen Be­satzungs­mäch­te ihre Truppen ab, auch die Franzosen, die sich Mitte 1992 verabschieden und das Alte Lager sowie den Schießplatz der Bundeswehr übergeben, wo inzwischen pro Jahr bis zu 20.000 Sol­da­ten aus ganz Europa üben. Ende 2005 ist Schluss. Das Militär zieht sich nach 110 Jahren aus Münsingen zurück. Seit 2015 ist das unter Denkmalschutz stehende Areal, das inzwischen Albgut heißt, in privater Hand.